Projekt „Lenkpause für Körper und Seele“ gewinnt den innovatio-Sozialpreis 2019

Mit der Möglichkeit, Fernfahrern Gespräche auf Augenhöhe, Austausch und Begegnung zu ermöglichen, gewinnt das Projekt „Lenkpause für Körper und Seele“ der Arbeitnehmerseelsorge der Diözesanstelle Bodensee-Hohenzollern des Erzbischöflichen Seelsorgeamtes und des Dekanats Hegau den diesjährigen innovatio-Sozialpreis mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Eine Jury aus Vertretern von Caritas und Diakonie hat jetzt die Preisträger ermittelt.

Fernfahrer arbeiten unter härtesten Bedingungen, erfahren kaum Wertschätzung und nehmen wenig am sozialen Leben teil. Sie verbringen an Wochenenden und Feiertagen ihre Freizeit meistens auf einem LKW-Parkplatz an der Autobahn, weit weg von zu Hause und ihren Familien. Mit dem Veranstaltungsformat bietet ihnen Kirche Gesprächspartner, die Zeit für sie haben und ihnen zuhören, ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen und ihre Erfahrungen und Erlebnisse teilen.

Mit einer Mischung aus geistlichem Impuls, Gesprächen bei Kaffee und Kuchen und einem Kulturprogramm engagieren sich über 50 Ehrenamtliche an mehreren Wochenende im Jahr an der Autobahnkapelle Engen auf dem Rastplatz Hegau-West. Die Mitarbeitenden kommen aus vielen Bereichen des Lebens: von ökumenischen Netzwerken und unterschiedlichen Kirchengemeinden bis hin zu Gewerkschaften und der Polizei. „Bei diesem Projekt hat die Jury besonders überzeugt, dass die Kirche mit einem niederschwelligen Angebot Menschen erreicht, die wenig gesellschaftliches Ansehen genießen.“, so Jürgen Mathuis, Vorstandssprecher der Versicherer im Raum der Kirchen und Ausrichter des Sozialpreises.

Mit dem zweiten Platz und einem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro wird das Projekt „Ehrenamt für Alle! Auf dem Weg zur inklusiven Freiwilligenagentur“ ausgezeichnet. Die Freiwilligenagentur „Anpacken mit Herz“ im Caritasverband für den Landkreis Weilheim-Schongau ermöglicht Menschen mit und ohne Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zu einem Ehrenamt und damit zur Teilhabe an der Zivilgesellschaft. In Kooperation mit Einrichtungen der Behindertenhilfe und anderer gemeinnütziger Organisationen werden die Ehrenamtlichen in für sie passende Tätigkeiten vermittelt.

Für die Interkulturelle Männerarbeit mit muslimischen Männern mit Familienverantwortung zeichnet die Jury die Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mit dem dritten Platz und 3.000 Euro Preisgeld aus. In einem geschützten Rahmen wurden Männergruppen etabliert, die stabile und wertschätzende Beziehungen zwischen muslimischen Männern und Männern aus der aufnehmenden Gesellschaft stiften. In ihnen werden im dialogischen Austausch Fragen der persönlichen Identität und Integrität der Gruppenmitglieder thematisiert.

Den innovatio-Publikumspreis, der per Online-Voting ermittelt wurde, gewinnt in diesem Jahr der Projektunterricht „Umgang mit Sterben, Tod und Trauer“ des Diakoniewerkes Westsachsen. Ziel des Unterrichtsprojektes ist es, jungen Menschen in einem geschützten und betreuten Rahmen die Auseinandersetzung mit diesen Themen zu ermöglichen. Jugendliche sollen dazu ermutigt werden, sich im Gespräch mit Gleichaltrigen mit diesen Themen auseinander zu setzen. An kooperierenden Schulen werden dazu Projekttage für die Jahrgangsstufen 9 und 10 durchgeführt mit intensiver Vor- und Nachbereitung.

Die Preise werden am 24. September 2019 am Ort des Hauptpreisträgers, in Singen, verliehen.

Der Sozialpreis innovatio wird in diesem Jahr zum zwölften Mal verliehen. Seit 1998 haben sich weit mehr als 1.000 Projekte um den innovatio-Sozialpreis beworben. Bewerben können sich Projekte aus Kirche, Diakonie und Caritas, die sich drängender sozialer Probleme annehmen und innovative Lösungen entwickelt haben. Schirmherren sind die Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes und der Diakonie Deutschland, Peter Neher und Ulrich Lilie. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 30.000 Euro wird durch die Versicherer im Raum der Kirchen, Bruderhilfe - Pax - Familienfürsorge, gestiftet. Gefördert wird der innovatio durch chrismon - Das evangelische Magazin und die Bank im Bistum Essen.

1. Preis
Lenkpause für Körper und Seele
Überall an den Autobahnen sind an Wochenenden und Feiertagen die LKW-Parkplätze nahezu dicht. Die Fahrer müssen meistens ihre Freizeit dort verbringen, weit von ihrem Zuhause und ihren Familien. Ihre Arbeitsbedingungen sind hart und extrem schwierig. Sie sind alleine, Austausch findet selten statt. Ihr gesellschaftliches Ansehen ist nicht hoch und sie fühlen sich nicht wertgeschätzt.
Das Projekt gibt Fernfahrern an der Raststätte Hegau-West eine Möglichkeit für Gespräche auf Augenhöhe, Information, Austausch und Begegnung. Ziel ist es auch, Ehrenamtliche zu motivieren, sich in innovativen Bereichen zu engagieren und so Kirche "an andere Orte" zu tragen.
www.dst-bh.de/html/media/lenkpause.html

2. Preis
Ehrenamt für Alle! Auf dem Weg zur inklusiven Freiwilligenagentur
Das Projekt „Ehrenamt für Alle! Auf dem Weg zur inklusiven Freiwilligenagentur“ ermöglicht Menschen mit Behinderung den Weg in ein Ehrenamt. Menschen mit und ohne Behinderung sollen damit einen gleichberechtigten Zugang zum ehrenamtlichen Engagement und damit zur Teilhabe an der Zivilgesellschaft erhalten.
www.caritas-wm-sog.de

3. Preis
Interkulturelle Männerarbeit mit muslimischen Männern mit Familienverantwortung
Bei einer wachsenden Zahl geflüchteter, muslimischer Männer mit Familienverantwortung ist eine besorgniserregende Tendenz zu integrationsgefährdendem Verhalten zu beobachten, wodurch sowohl Konflikte im 'Außen' wie auch innerfamiliär entstehen bis hin zu familiärer Gewalt. Das Projekt hat Männergruppen etabliert, die in einem geschützten Rahmen stabile, wertschätzende Beziehungen zwischen muslimischen Männern und Männern aus der aufnehmenden Gesellschaft stiften, indem im dialogischen Austausch Fragen thematisiert werden, die die personale Identität und Integrität der Gruppenmitglieder betreffen.
www.ekkw.de/maennerarbeit

Publikumspreis
Projektunterricht – Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
Ziel des Projektes ist es, jungen Menschen, in einem geschützten und betreuten Rahmen, die Auseinandersetzung mit dem Thema „Sterben, Tod und Trauer“ zu ermöglichen. Jugendliche sollen ermutigt werden, sich im Gespräch mit Gleichaltrigen ihren eigenen Schwierigkeiten und Bedürfnissen mit einer guten Selbstfürsorge zu begegnen. Halt und Orientierung werden vermittelt, damit sie sich im Umgang mit Betroffenen und eigener Betroffenheit ohne Angst diesem Thema stellen können.
www.diakonie-westsachsen.de/christlicher_hospizdienst_lebensspur_schulprojekt_de.html